Historisches

Orts-Chronik

Die historische Entwicklung der Gemeinde Wallbach

Die Entstehung des Ortes geht bis auf das 12. und 13. Jahrhundert zurück. Vermutlich sind es Hirten gewesen, die im Wallbachgrund ihr Vieh weideten, einige davon seßhaft wurden und den Ort gründeten.

Erstmals wird Wallbach in einer Urkunde (datiert vom 27.10.1230) erwähnt. Hierbei geht es um eine „Schiedsrichterliche Sühne“ zwischen dem Stifte Würzburg und dessen Begründer, dem Grafen Poppo, über den Nachlaß seines Bruders, des Grafen Berthold von Henneberg. Graf Poppo verzichtet auf alles Recht an der Stadt Meiningen samt Zubehör und den Dörfern Berkes (ein an der Straße nach Henneberg gelegenes und heute nicht mehr existierendes Dorf), Wallbach (Walpahc), dem Breuberg (Bruberc) u.a.

Im August 1252 verleiht Hermann, Bischof von Würzbug, dem Kloster Frauenrode die Zehnten zu Buchardesrode und Wallbach (Wolpah).

Den Ortsnamen soll das Dorf erhalten haben, weil der Hauptwallfahrtsweg aus dem Werragebiet entlang des Baches nach dem damaligen Wallfahrtsort Christes führte.

Einer anderen Auslegung zufolge soll Wallbach selbst ein Wallfahrtsort gewesen sein und daraus der Name des Dorfes wie auch des Baches herrühren.

Beide Behauptungen sind jedoch nicht zu belegen. Christes jedoch war tatsächlich Wallfahrtsort, was der ersten Version zuspricht. Zur zweiten Version sind in den alten Aufzeichnungen keinerlei Hinweise zu finden.

Nach einer von Dr. Jacob im Jahre 1894 herausgegebenen Schrift soll der Ort noch im Jahre 1317 den Namen „Unterwalpach“ geführt haben, seit 1336 hieß es dann „Niederwallbach“.

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Aus den noch vorhandenen Aufzeichnungen und Urkunden der Schäferei zu Wallbach geht eindeutig hervor, dass noch gegen Ende des 17. Jahrhunderts der Ortsname „Walpach“ gebräuchlich war.

Einer weiteren Urkunde, vom 2. März 1415, ist zu entnehmen, dass Balthasar am Berg dem Grafen Wilhelm von Henneberg für 3 Güter und Huben in Wallbach mannlehnpflichtig war.

In einem vorliegenden Schriftstück vom 24. August 1416 gestattet der Bischof Johannes zu Würzburg Adolph Marschalk den Neubau eines Anwesens in Wallbach, darin heißt es u.a.:

unnd haben darumb unnd sonderlichen durch unser Gnaden Willen demselbem jetztgenanden Adolff Marschalken gegönnet unnd erlaubet, daß er uff die Wahlstatt zu Walpach, die dann von uns unnd unserm Stifft zu Manlehn rüret, eine Behausung von Holtze mag bauen unndt darumb einen Graben unnd Zeune mag führen, …

15 Jahre später, am 14. Dezember 1431, wird diese Zusage in einer weiteren Urkunde erneuert, warum dies geschehen ist, ist nicht festzustellen. Es kann nur angenommen werden, dass der Bau bis hierher nicht zustande kam und neu beantragt wurde.

Auf dem Schneeberg wurde der Anbau von Wein versucht, er konnte sich aber nicht durchsetzen. Gründe dafür dürften ohne Zweifel die Boden- und Witterungsverhältnisse sein. Noch heute wird ein von der Spitze des Berges nach unten laufender Graben als „Weindelle“ bezeichnet, eine Überlieferung aus jener Zeit.

Im Dreißigjährigen Krieg stürmten Kroaten das Wallbachtal, vernichteten Oberwallbach völlig, während von Unterwallbach 16 Gehöfte verschont blieben. Von den Verbliebenen läßt sich mit Sicherheit das Anwesen Nr. 13 (F. Mey) ermitteln, im Kellergewölbe ist das Baujahr 1593 eingemeißelt.

Die Tierhaltung stand zu dieser Zeit im Vordergrund und die Bewohner, ausschließlich Bauern, erlangten dadurch eine gewisse Wohlhabenheit.

Nach den Zerstörungen des Krieges setzte gegen Ende de 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts nach und nach der Wiederaufbau ein.

Mit größter Wahrscheinlichkeit wurde in der zweiten Hälte des 15. Jahrhunderts die Kirche des Ortes erbaut. Obwohl hierüber Angaben fehlen, läßt das im „Alten Henneberger Baustil“ errichtete Gebäude diese Annahme zu.

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Im Jahre 1707 wurde Valtin Möller neben seinem Amt als Lehnträger auch zum Schultheiß ernannt und löste den bisherigen, Valtin Gerling, ab. Beide Ämter behielt er bis zu seinem Tode am 4.2.1732 inne.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Flur unter den Überlebenden neu aufgeteilt. Jeder Bauer erhielt ein Sechzehntel der Ländereien. Durch die ständige Erweiterung der Familien wurden diese Sechzehntel weiter unterteilt. Diese Maßeinheit hat sich bis zum heutigen Tage in der privaten Forstwirtschaft des Ortes erhalten.

Aus mündlicher Überlieferung des 18. und 19. Jahrhunderts ist bekannt, dass ein Teil der Bevölkerung ein Handwerk ausübte, einen Anteil an den Ländereien hatte und ein sehr karges Leben führte. Während sich die Familienväter in die Stadt zur Arbeit begaben, verdingten sich die Frauen und Kinder bei den Bauern. Dadurch erhielten sie den zur Ernährung notwendigen Kartoffelacker und Fuhrleistungen. Von der Getreideernte bekamen sie weiterhin den 10. Teil, d.h. jede zehnte Garbe war ihr Eigentum und man sprach vom „Zehnerschnitt“.

Wie bereits schon angedeutet, wurde der Ortsteil Oberwallbach im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört und war lange Zeit danach eine Wustung. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Oberwallbachsmühle (damals Poppenmühle genannt) wieder aufgebaut. Dort lebten zu dieser Zeit 2 Familien mit 7 „Seelen“ und 17 Stück Vieh, wie es in den Aufzeichnungen heißt. (siehe auch: Geschichte der Oberwallbachsmühle)

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Die in der Nähe gelegene Moosmühle (Most-, Kehl-, Kohlmühle) beherbergte zur selben Zeit eine Familie mit 7 „Seelen“ und 10 Stück Vieh.

Hier einige Auszüge aus der Dorfordnung ANNO 1729 d. 8. Jan.:

Hat der Schultz Valtin Möller, Hans Gerling, Hans Michel Reumann, Claus Gerling, Hans Martin Möller Mittl., Claus Ebert Sen. und Claus Möller, Dorffs Eltester mit Consens der gantzen Gemein entschloßen eine Neue Gemeindorffs Ordtnung aufsetzen laßen, da mit allem Unfug Möge gesteuert und in guten Standt Möge gebracht werden.

Nach dieser Einleitung wurde festgelegt, daß die Dorfältesten ohne Verzug beim Dorfschulzen zu erscheinen hatten, ohne Anklopfen keine Stube zu betreten war, nicht mit bedecktem Haupt vor dem Dorfschulzen oder Dorfältesten gestanden werden durfte. Es war untersagt, dem Schultheiß in die Rede zu fallen oder mit groben Worten über den Mund zu fahren. Weiterhin regelte diese Ordnung die Bewässerung der Wiesen, das Viehüten, das Halten von Vieh in vorgeschriebener Anzahl, den Holzeinschlag, die Sauberhaltung der Brunnenleitung und vieles andere mehr.

Aus dem Letzten ist zu ersehen, dass zu dieser Zeit bereits die Wasserleitung vom Marienbrunnen her in das Dorf existierte, die dann – wie später beschrieben – im Jahre 1905 für das ganze Dorf neu verlegt wurde.

Bis zum Jahre 1802 gab es im Ort Herzögliche Vogteigerichte, deren Aufgaben dann dem Amtsgericht Wasungen übertragen wurden. Darüber hinaus befand sich im Ort eine Zoll- und Geleitseinnahme.

Zum damaligen Erwerbsleben wird gesagt, daß die Menschen im Localgewerbe, den Sandsteinbrüchen und in den Gipsgruben tätig waren. Sie werden als geringe Mittelleute bezeichnet, aber rührig und genau. Beim Abbau der Sandsteine sollen Fußtritte „antedilurianischer Thiere“ gefunden worden sein.

Desweiteren gab es noch die Mahlmühle im Dorf, die im Jahre 1952 mit dem Verzug der Eigentümerin ihre Tätigkeit einstellte.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Ziegelhütte errichtet. Sie wurde von dem Bauern und Maurermeister Valtin König unterhalten. Dieser Betrieb hatte bis zu 19 Beschäftigte, deren Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 19 Uhr abends dauerte. Der Verdienst betrug täglich 9 Groschen für die Jungendlichen und 15 Groschen für die Erwachsenen. Um die Jahrhundertwende stellte dieser Betrieb seine Tätigkeit ein, da das Lehmvorkommen erschöpft war.

Der Gemeindeetat des Jahres 1876 wies folgendes Ergebnis aus:

Einnahmen = 3.350,13 Mark
Ausgaben = 3.145,30 Mark

Zur Durchsetzung von Ordnung und Sauberkeit sowie zur Einhaltung der Normen des Zusammenlebens galten strenge Maßstäbe. Aus den Aufzeichnungen dieser Jahre ist ersichtlich, dass für verhältnismäßig kleine Vergehen empfindliche Strafen ausgesprochen wurden.

1890 wurde mit dem Bau der neuen Schule begonnen, welcher mit einem tödlichen Unglücksfall verbunden war. Beim Aufrichten fiel ein Balken herab und verletzte den 24jährigen R. Reumann so schwer, dass er kurze Zeit später seinen Verletzungen erlag (er war erst kurz vorher aus der Wanderschaft heimgekehrt). Dieses Gebäude wurde 30 Jahre später, zu Beginn der Inflation, aufgestockt und erhielt sein heutiges Gepräge.

1905 wurde der Bau der Wasserleitung durchgeführt und mit einem Kostenaufwand von 16.579,13 Mark abgeschlossen. Bis dahin wurde das Wasser aus den am Plan und der neuen Schule gelegenen Brunnen entnommen, die vom Marienbrunnen her gespeist wurden. Als Zuleitungsrohre wurden durchbohrte Baumstämme verwandt. Im selben Jahre wurde die Zustimmung zum Bau einer Fernsprechleitung von Wallbach nach Metzels enschließlich Schaffung einer Fernsprechstelle durch den Gemeinderat gegeben und eine Friedhofsvergrößerung durchgeführt.

Im Jahre 1906 erfolgte eine Teilkanalisierung von Haus Nr. 41 bis zur „Schwarzen Brücke“. Die Bauausführung wurde dem Bauunternehmer Joseph Raabe aus Breitenworbis übertragen. In diesem Jahr wurde auch die längst fällige Separation durchgeführt. Auch wurde im selben Jahr das „Ortsgesetz der Gemeinde betreffend Einkaufsgeld“ verabschiedet. Den Bezugsberechtigten war das Holzlesen, Streu machen und die Inanspruchnahme gemeinschaflicher Anlagen wie Steinbruch und Sandgruben gestattet.

Die vorstehende Chronik wurde von Herrn Josef Mosch, wohnhaft am Gänsberg in Wallbach, in mühsamer Arbeit zusammengetragen. Vielen Dank!